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Im
Jahre 780 vermacht ein Adliger mit Namen Acbuto umfangreiche Ländereien
und mehr als 63 Unfreie in verschieden Dörfern der Pfalz dem
Kloster Fulda. Unter diesen Dörfern ist auch unser Mörzheim und
dieser in einer Urkunde festgehaltenen Schenkung verdanken wir die
erste Nennung des Dorfes. Natürlich ist die Siedlung viel älter.
Bereits aus der Jungsteinzeit, also zwischen 3500 und 1800 v. Chr.
Gibt es Spuren menschlicher Besiedlung. 1961, bei der
Flurbereinigung, fand man am Schreckenberg Scherben von Vorratsbehältern
und im Kuhwinkel Reste von Frauenschmuck. Die Siedlung muß für
damalige Verhältnisse ziemlich groß gewesen sein: 33 Hausplätze
konnten bei den Ausgrabungen festgestellt werden und weit mehr
liegt noch unentdeckt unter der Erde. Auch die nachfolgenden
Kulturperioden lassen sich anhand von Bodenfunden in der Mörzheimer
Gemarkung nachweisen: Bronzezeit, Eisenzeit und die
Siedlungsepochen von Kelten, Römern und Alemannen sind belegt.
All dies weist darauf hin, dass die hiesige Gegend ziemlich
fruchtbar gewesen sein muß. Wir könnten annehmen, dass das Dorf
zur Zeit der fränkischen Landnahme, also nach der Niederlage der
Alemannen in der Schlacht von Zülpich im Jahre 496, zu seinem
Namen gekommen ist. Ein Sippenführer namens Morin könnte es
gewesen sein, der sich hier mit seinem Familienverband niederließ,
und nach ihm wurde die Siedlung dann Morinheim oder Morinesheim
genannt. Im Jahre 780 also wird der Ort zum erstenmal urkundlich
erwähnt. 80 Jahre später findet sich der Name nochmals. Diesmal,
im Jahre 860 in einer Urkunde des Klosters Weißenburg. So
schreibt Heinrich Sternberger in seiner Ortschronik von Mörzheim.
Dies stimmt jedoch genauso wenig wie die weitverbreitete Annahme,
Mörzheim sei bereits im Jahre 724 in einer Urkunde erwähnt.
Beidesmal handelt es sich um ganz andere Ortschaften. Insofern hat
das Dorf im Jahre 1974 sein Jubiläum etwas zu früh gefeiert. Wir
müssen bis zum Jahre 1288 warten, bis das Dorf wieder erwähnt
wird, was natürlich nicht heißen soll, dass in den Jahren
dazwischen Mörzheim nicht existiert hat. 1288, wie gesagt, wird
das Dorf erstmals wieder genannt, diesmal als Mornsheim und von da
an häufen sich die Nennungen, bis in den Jahren 1468/1470 die
Bezeichnung Mortzheim auftaucht, noch 1787 heißt es Mörnzheim
und erst ab 1828 endgültig Mörzheim. Nicht in gleichem Rhythmus
wie das Dorf seinen Namen wechselte, wechselten auch die
Herrschaften. Aber häufig genug war dies der Fall. Zu nennen sind
die Herren von Ochsenstein, von Steinach, von Weinstein, der
Bischof von Speyer und dann vor allem die Kurpfalz. Sie hat das
Dorf, und vor allem die Einkünfte daraus, von 1507 an 200 Jahre
lang mit dem Bischof von Speyer geteilt, bis Mörzheim zusammen
mit dem Unteramt Landeck im Jahre 1709 ungeteilt an Kurpfalz kam.
Auf die französische Zeit von 1793 bis 1815 werden wir noch zu
sprechen kommen. Von 1815 an blieb Mörzheim bayrisch. Aber
nochmals zurück ins Mittelalter. Die vorhin genannten
Herrschaften hatten zum Teil umfangeichen Landbesitz in der
Gemarkung, der an die einheimischen Bauern verlehnt war. Sie
kennen sicher alle die Probleme, die sich für unsere Vorfahren
aus diesen Abhängigkeitsverhältnissen ergaben. Dienste mussten
in Form von Feldarbeiten oder Bauarbeiten geleistet werden, es
waren die sogenannten Frohnen und es mussten Naturalien, also
Getreide, Wein, Gemüse, Obst u. a. abgegeben werden. Der Begriff
Zehnt für diese Abgaben wird Ihnen sicher bekannt sein. Die
Zehntscheuer befand sich in der Herrenstraße und der Zehhntkeller
daneben. Beide Gebäude stammen aus dem Jahre 1571. Es hing nun
von dem jeweiligen Zehntherren ab, wie er seine Abgaben
einforderte. Herrschaftliche Frohn mitten in der Erntezeit zu
leisten, Abgaben auch dann in voller Höhe liefern zu müssen,
wenn es eine Missernte gegeben hatte, so eine Steuereintreibung
schaffte natürlich Unzufriedenheit. Hinzu kam, dass die erwähnten
Belastungen sich mit der Zeit so weit gesteigert hatten, dass sie
für die Landbevölkerung nicht mehr zu ertragen waren. Zu einem
großen, allerdings aber vergeblichen Aufbegehren kam es im Jahre
1525 im sogenannten Bauernkrieg. Von einer konkreten Beteiligung Mörzheimer
Bauern ist nichts überliefert, aber es wäre doch eigenartig,
wenn bei diesen Unruhen in der nächsten Umgebung nicht auch die Mörzheimer
beteiligt gewesen wären.
Dass
wir über diese Jahre und auch über die nächsten Jahrzehnte nur
mangelhaft informiert sind, hängt mit dem nächsten großen
geschichtlichen Einschnitt, dem Dreißigjährigen Krieg zusammen.
Not und Elend brachten es mit sich, dass nicht einmal Zeit blieb,
Kirchenbücher zu führen und die schriftlichen Überlieferungen,
die es aus der Zeit vorher gab, verschwanden in diesen
Kriegsjahren. Am Ende des Krieges lagen die Weinberge und Felder
unbebaut da, es fehlte an Vieh und Saatgetreide. Nicht genug
damit, die rücksichtslose herrschaftliche Steuerpolitik ließ die
Bevölkerung noch mehr verarmen.
Die
Nähe zu Landau brachte es mit sich, dass das Schicksal des Dorfes
eng an die wechselvolle Geschichte der Stadt und vor allem der
Festung gekoppelt war. Der Bau der Festung ab 1688 und die
folgenden Belagerungen in den Jahren 1702, 1703, 1704 und 1713
betrafen die Mörzheimer direkt mit Schanzarbeiten,
Einquartierungen und Naturalleistungen. Auch nach diesen
Kriegsjahren sah es in der Gemarkung und im Dorf fast so aus wie
nach dem Dreißigjährigen Krieg. Etwa in der Mitte des 18.
Jahrhunderts gab es einen wenn auch bescheidenen Aufschwung in der
Landwirtschaft. Bis dahin hatte man noch die Dreifelderwirtschaft,
d. h. Zweidrittel wurden angebaut, ein Drittel lag brach und wurde
als Viehweide genutzt. Da das Vieh ständig auf der Weide war,
fehlte jegliche Düngemöglichkeit. Um 1740 konnte dieses System
abgeschafft werden, nachdem die Stallfütterung eingeführt worden
war. Die Ernteerträge wurden nicht zuletzt dank der Düngung höher,
es gab mehr Fleisch und Milch. Dennoch, die Qualität des Bodens
war nicht überragend. Eine Schatzung, also eine Steuerveranlagung
aus dem Jahre 1763 zeigt dies deutlich. Da die Steuer an Grund und
Boden gekoppelt war, wurden die Äcker, Wiesen und Wingert in Güteklassen
eingeteilt, um so die Steuern einigermaßen gerecht verteilen zu können.
1200 Morgen umfasste die gesamte Gemarkung und davon waren allein
1000 Morgen als schlechtes Land eingestuft. Natürlich bestand von
Mörzheimer Seite aus kein Interesse, das eigene Land als
besonders gut und damit steuerlich höher einzustufen, aber dieses
Missverhältnis ist schon bemerkenswert. Die Erklärung für die
mangelnde Bodenqualität lieferten die Mörzheimer gleich mit. Es
hieß da, das hiesige Land sei sehr hügelig und habe in den Tälern
zu viel Feuchtigkeit und auf den Höhen zu viel trockenen Boden.
Und weiter wörtlich: „ Es bemüht sich zwar jeder, seine Äcker
in guten Stand zu stellen und darin zu unterhalten... wie auch auf
was Art aber die Äcker in einen noch besseren Stand gestellt
werden können, ist von uns nicht zu erraten“. In dieser
Schatzungsveranlagung fällt noch auf, dass es wesentlich weniger
Wingert gab als wir uns das heute vorstellen: 300 ha Acker, 34 ha
Wiesen und nur 32 ha Wingert waren es im Jahre 1763. Heute haben
sich die Zahlenverhältnisse etwas verschoben: Von der
Gesamtgemarkungsfläche von 652 ha sind über die Hälfte Wingert
und zwar 355 ha und nur 188 ha sind als Ackerland genutzt.
Wenn
wir gerade bei Zahlen sind, möchte ich Ihnen noch die Entwicklung
der Einwohnerzahlen verdeutlichen. 1763 waren es 350 innerhalb von
sieben Jahren stieg die Zahl auf 430. Sie sehen auch an diesen
beiden Zahlen, dass die Mitte des 18. Jahrhunderts mit ihren
Friedenszeiten in jeder Hinsicht fruchtbare Jahre gewesen sein müssen.
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es wieder ein Bevölkerungswachstum,
das dann Mitte des Jahrhunderts aufgrund der katastrophalen
Wirtschaftslage und der Missernten abflaute. Es waren die Jahre,
in denen die Deutschen und vor allem die Pfälzer zu Tausenden ins
Gelobte Land, nach Amerika auswanderten. Bei dieser
Auswanderungswelle war auch die Familie des Schullehrers Georg
Becker dabei und an ihr kann man das Schicksal vieler Auswanderer
aufzeigen. Valentin Becker z. B. galt als verschollen, sein Sohn
Jakob machte sich auf die Suche nach seinem Vater und kommt dabei
um, man könnte die Reihe der Unglücke fortsetzen. Natürlich muß
an dieser Stelle an den bekanntesten Mörzheimer Auswanderer
erinnert werden. Im Jahre 1712 kommt hier Johann Thomas Schley auf
die Welt, er wird Dorfschullehrer und wandert aus uns bekannten Gründen
im Jahre 1736 nach Amerika aus. Er landet schließlich in
Maryland, lässt sich dort als Siedler nieder und gründet eine
Siedlung, die er Frederickstown nennt. Heute sind in dieser Stadt
noch die von ihm erbaute Kirche und ein von ihm geschriebenes und
bebildertes Gesangbuch zu sehen.
Bei
unserem Gang durch die Ortsgeschichte waren wir vorhin bis zur
Mitte des 18. Jahrhunderts gekommen. Trotz der erwähnten
verbesserten Lebensbedingungen hatten die Ideen der Französischen
Revolution, wie sie ganz besonders in Landau von den dortigen
Jakobinern propagiert wurden, auch in den umliegenden Dörfern
einen fruchtbaren Nährboden gefunden. Vom pfalzzweibrückischen
Ilbesheim aus sprang der Funke der Revolution auf die Nachbardörfer
über. Auch hier in Mörzheim wurde das Symbol der neuen Zeit, der
Freiheitsbaum, errichtet. Anführer der Aufständischen waren die
Bürger Klundt und Keller. Genannt ist auch Konrad Zahneisen, der
1792 im Landauer Jakobinerklub auftritt und dort zusammen mit zwei
Rohrbacher Bürgern „ein von ihnen selbst entworfenes Lied
absingt, dessen Inhalt sich auf den Sieg der niederrheinischen-
und Mosel-Armeen über unsere Feinde im Bienwald... bezieht,
welches von dem Volksrepräsentanten wegen seines reichen Inhalts
und ländlichen Ausdrucks zum Druck übergeben werden soll. „Mörzheim
gehörte auch zu den 33 Gemeinden, die im März 1793 bei der
Nationalversammlung in Paris den Antrag stellten, in die Französische
Republik aufgenommen zu werden. Diesem Antrag , der natürlich
angenommen wurde, verdanken wir übrigens sämtliche
Unterschriften der männlichen Einwohner (insgesamt 117).
Was
brachte die Französische Revolution? Zum einen die ganzen Unruhen
und Sorgen, die ein Krieg mit sich brachte. Wir müssen daran
denken, dass in den 90er Jahren in unserer Gegend Franzosen, Österreicher
und Preußen Dörfer besetzten, verloren und wieder gewannen, bis
schließlich die Franzosen nach dem Fall der Festung Landau die
Pfalz bis 1815, bis zum Sturz Napoleons, besetzt hielten. Neben
den Kriegsunruhen gab es aber auch Neuerungen, die das Leben stark
veränderten. Kirche und Adel wurden enteignet, die großen Güter
gingen in Privathand über. Allein in Mörzheim waren dies
insgesamt über 10% der Gemarkungsfläche, die vorher der
katholischen Kirche gehört hatten und die nun von reichen
Landauern ersteigert wurden. Diese Männer, meistens Kaufleute,
verkauften die Ländereien dann nach und nach an die
Einheimischen. Neben dieser Veränderung im landwirtschaftlichen
Bereich gab es auch Veränderungen, die bis heute unser Leben,
zumindest indirekt, bestimmen. Ich denke dabei an den Code
Napoleon, der bis zu Einführung des bürgerlichen Gesetzbuches
bei uns Geltung hatte und vor allem an die Erklärung der
Menschenrechte, die ja die Grundlage für jede demokratische
Staatsverfassung darstellt. Ohne die Französische Revolution ist
auch das Hambacher Fest nicht denkbar, eine Demokratiebewegung,
bei der sich damals viele noch lebende Altrevolutionäre, wie zum
Beispiel hier im Ort Philipp Peter Keller, beteiligt haben.
Gleiches gilt für die 48-er Revolution. Auch hier war ein Mörzheimer,
namens Löhner, als Freischarenführer beim Angriff auf Steinfeld
beteiligt. Es sieht vielleicht so aus, als bestünde die
Dorfgeschichte fast nur aus Kriegen. Natürlich ist dies nicht der
Fall. Aber in einem gerafften Überblick, wie ich ihn heute
bringen kann, sind die Kriege nun einmal die großen Einschnitte,
die sich auch in der schriftlichen Überlieferung am deutlichsten
niedergeschlagen haben. Der 70er Krieg existiert in der Erinnerung
eigentlich nur noch in Form der Friedenslinden, die man überall
nach dem Friedensschluß in Versailles gepflanzt hat. Am
Kapbachweg und vor dem Löwen sind solche Linden noch zu sehen.
Nach dem ersten Weltkrieg bestand kein Anlaß zu Jubelfeiern. 45 Mörzheimer
fielen während der vier Kriegsjahre und nach 1945 waren insgesamt
85 Kriegsopfer zu beklagen.
Nach
soviel Kriegerischem sollten in dem geschichtlichen Rückblick
einige Bemerkungen zum kulturellen und kirchlichen Dorfleben nicht
fehlen.
Beginnen
wir mit der protestantischen Kirche. Im Eingangsbereich finden
sich auf einer Steinplatte die Jahreszahlen 1776, 1777 und 1778.
Sie weisen auf die Erbauungsjahre des Gebäudes hin. Allerdings
ist dies nicht die erste Kirche an dieser Stelle. Bereits im Jahre
1288 wird eine Marienkirche erwähnt. Sie dürfte also nach der im
Jahre 1040 erbauten Wollmesheimer Kirche die zweitälteste der
Pfalz sein. Wir wissen von diesem Gebäude lediglich, dass es 1586
renoviert wurde. Namenspatron für die Kirche war der heilige Ägidius.
Vermutlich wurde die Kirche vom Zisterzienserkloster Eußerthal
gebaut und auch unterhalten. Im Jahre 1775 war die Kirche nach
vielen Reparaturen und Renovierungen in einem solch baufälligen
Zustand, dass man an einen Neubau denken musste. Die kurfürstliche
Baukommission stellte bei einer Visitation fest: „Langhaus, Chor
und Kirchenturm befinden sich in einem solch geringem Zustande,
dass der katholische Geistliche sich bei ergebendem Regenwetter an
dem Althar ohne auf solchen zu regnen, nicht sicher ist, das
Langhaus und Kirchenthurm auch so beschaffen sind, dass man den
ganzen Einsturz täglich zu befürchten habe... dass die auf der Bühne
befindlichen Leuthe, weilen das Dach größtentheils nicht mehr
gedeckt, vor dem Wind und Wetter sich keineswegs erhalten können,
und endlich der Kirchenthurm auf dreien Seiten und Ecken so
gesprungen und gleichzeitig gespalten ist, dass die Glocken nicht
ohne Lebensgefahr gezogen werden können.“ Ist schon ein
Kirchbau in unserer Zeit eine größere Sache, so war es damals,
als das Gotteshaus von den Reformierten und den Katholiken
gleichzeitig genutzt wurde, eine komplizierte Angelegenheit. Für
den Unterhalt waren drei Parteien zuständig. Die kurpfälzische
Regierung, das Kloster Haimbach und die Gemeinde mussten sich über
die Kosten einigen. Trotzdem, es dauerte nur ein Jahr, bis der Bau
begonnen wurde und im Jahre 1778 konnte die Kirche eingeweiht
werden. Zum Kauf einer Orgel hatte das Geld damals nicht mehr
gereicht, sie wurde erst einige Zeit später eingebaut. Kriege und
Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts haben natürlich ihre
Spuren an der Kirche hinterlassen und konnten erst durch
aufwendige Renovierungen in den sechziger Jahren beseitigt werden.
Die katholische Ortskirche kann ein so hohes Alter nicht
aufweisen, sie wurde in den Jahren 1928/29 am nördlichen
Ortsausgang erbaut.
Zur
Geschichte der Kirchen gehört auch die Geschichte der Kirchhöfe
oder, wie man heute sagt, der Friedhöfe. Der alte Friedhof befand
sich bei der protestantischen Kirche und zwar auf dem Platz, auf
dem heute das Schulhaus steht. Bis 1829 hatte dort das Gelände
ausgereicht. Als neue Begräbnisstätte wurde eine Stelle nördlich
des Dorfes an der Landauer Straße ausgewählt. Erst nach der
Bestattung der ersten Toten stellte man fest, dass der Boden viel
zu feucht war. So musste dieser neue Friedhof wieder aufgegeben
werden, die exhumierten Toten wurden im alten Friedhof an der
Kirche beigesetzt und ein neuer Friedhof südlich des Dorfes an
der Heuchelheimer Straße angelegt.
Einige
Worte noch zu den dörflichen Schuleinrichtungen. In der
Gemeinderechnung von 1662 wird erstmals ein Schulmeister erwähnt,
allerdings ohne Namen und nicht einmal in seiner Funktion als
Lehrer. Es ist die Rede vom Glockendienst, den er zu erfüllen hat
und für den er bezahlt wird. Ansonsten hatte er Anteil an dem
Zehnten. Groß wird das Einkommen nicht gewesen sein und die
Formel vom armen Dorfschulmeisterlein wird auch in Mörzheim ihre
Berechtigung gehabt haben. Von Johann Thomas Schley als
Schulmeister im Jahre 1730 haben wir bereits gehört. Es ist dies
die erste namentliche Nennung eines Lehrers. War die Schule auch
noch so klein, früher musste jede Konfession ihre eigene Schule
haben. So gab es auch hier im Ort zwei Schulhäuser. Wenn wir
daran denken, dass die Lehrer, um überhaupt existieren zu können,
noch einen zweiten Beruf brauchten, können wir uns vorstellen,
dass es mit der Bildung der Dorfjugend nicht allzuweit her sein
konnte. Nur so ist verständlich, dass sich die Eltern im Jahre
1830 darüber beklagten, was man den Kindern an revolutionären
Neuigkeiten beibrachte: „Es war für sie unerhört“, heißt es
in einem Bericht der Ortsschulkommission, „dass es einen fünften
Erdteil gebe, dass die Sonne stillstehe und dass es mit den
Gespenstern nichts sei.“
Ich
kann Ihnen einmal das Inventar der katholischen Schule von 1856
vorlesen, damit Sie sehen, wie dieses Lehrinstitut ausgestattet
war. Keine Angst, dieses Vorlesen dauert nicht lange, die Liste
ist kurz. Es waren vorhanden: 4 Landkarten, 2 Musterblätter zum
Schönschreiben, Münchner Zeichnungsvorlagen, Grundriss der
Chemie, eine Liedersammlung, ein Band Nationallieder, ein Heft Fürstenbilder,
ein Gebet für seine Majestät und ein Lehr- und Lesebuch für
Kinder. Das war alles und die Mörzheimer brauchten sich nicht zu
schämen – in anderen Dörfern sah es nicht viel besser aus. Über
die Schulverhältnisse im 19. Jahrhundert sind wir durch die
Protokolle der Ortsschulkommission gut informiert. Sie setzte sich
zusammen aus dem Bürgermeister, den beiden Lehrern und den
Pfarren. Die gestrengen Herren hatten über die Einrichtung und
den Unterhalt der Schulen zu entscheiden und sie übten vor allem
ein strenges Regiment über die Schüler aus. Ganz genau wurde
festgehalten, wer wann und warum in der Schule und auch in der
Kirche fehlte. In der Mehrzahl der Fälle wurden Geldstrafen verhängt,
zehn Pfennige oder zwanzig Pfennige oder in schweren Fällen,
besonders bei häufigem Versäumen der Christenlehre, wurde
Schularrest bis zu vier Stunden angeordnet. Mildernde Umstände
gab es allenfalls für häusliche Arbeiten und ganz besonders im
Sommer und im Herbst musste die Kommission viel Nachsicht üben,
wenn die Kinder daheim bei der Feldarbeit eingesetzt wurden. In
machen Familien war es offenbar nicht möglich, die Kinder zu
entbehren, selbst wenn der Unterricht, so wie im Sommer nur von
morgens 6 bis 8 Uhr stattfand. Soviel also zum Mörzheimer
Schulwesen, über das sicher noch einiges ermittelt werden könnte.
Zur
Dorfkultur gehören natürlich auch die Vereine. Treffpunkt für
diese Gruppen waren wie heute auch, die Wirtschaften. Im Jahre
1902 gab es im Ort immerhin 7 Lokale. Einer der ältesten Vereine
ist der Männerchor 1845, dann der katholische Cäcilienverein aus
dem Jahre 1893, der sich der „Hebung des religiösen und
sittlichen Gesanges“ verschrieben hatte, 1904 kam dann der
evangelische Kirchenchor dazu. Dann gab es noch den Radlerclub aus
dem Jahre 1905 „zur Pflege des Radsportes und des geselligen
Verkehrs der Mitglieder untereinander“ und den „Kasinoclub“
zur „Bestrebung gemütlicher Unterhaltung“ und zuguterletzt
nicht zu vergessen den Sportverein „Rot-Weiß“ von 1948.
Noch
eine Gruppe von Vereinen ist zu nennen: die sozialen Vereine. Im
Jahre 1900 bildete sich der Arbeiterunterstützungsverein, der
seinen Mitgliedern durch gegenseitige Unterstützung im
unverschuldeten Krankheitsfalle half. An dieser Stelle muß natürlich
auch auf die sozialen Leistungen der Ortsgemeinde selbst
hingewiesen werden, in der es als Vorläufer des Sozialamtes den
sogenannten Armenpflegschaftsrat gab, der sich um kranke und
erwerbslose Mitbürger kümmerte. Was bei der Lektüre dieser
Protokolle auffällt, ist der persönliche Bezug, den es damals
noch zwischen Antragsteller und Behörde gab. Noch etwas ist
bemerkenswert: an der Dicke der Bände kann man sehr schnell die
wirtschaftlich schwierigen Jahre, besonders nach dem ersten
Weltkrieg erkennen. Da ist jeder Pfennig aufgelistet und hier
finden sich dann auch die Millionenbeträge aus der
Inflationszeit.
Noch
einige andere Vereine sind zu nennen: der Spar- und
Darlehensverein aus dem Jahre 1895, ein Vorläufer der heutigen
Sparkasse und der Ortsviehversicherungsverein aus dem Jahre 1903,
der den unverschuldeten Verlust von Tieren auszugleichen
versuchte.
Unseren
gerafften historischen Rückblick will ich mit einigen Hinweisen
auf kommunale Einrichtungen abschließen, die uns heute ganz
selbstverständlich sind, die aber den Begründern oft viel Mut
und Energie abverlangten, als es darum ging, diese Neuerungen im
Dorf durchzusetzen. Längst überholt und nur noch aus den Akten
herauszulesen ist die Existenz eines Dorfgefängnisses im 17.
Jahrhundert, das aus einem kleinen Raum im Rathaus bestand. Aber
neben dieser mehr historischen Erinnerung sind zu nennen ebenfalls
nur noch als Erinnerung für die älteren Mitbürgern das
Schwimmbad, dann die Einrichtung einer örtlichen freiwilligen
Feuerwehr im Jahre 1882, die Einführung der Elektrizität im
Jahre 1912 und schließlich den Bau der örtlichen Wasserleitung
in den Jahren 1928 und 1929.
Meine
Damen und Herren, 1200 Jahre Ortsgeschichte in einen so kurzen
zeitlichen Rahmen zu pressen, bedeutet natürlich, auf vieles zu
verzichten. Aber für den, der sich näher mit Mörzheim beschäftigen
will, gibt es genug Material im Stadtarchiv Landau und im
Landesarchiv Speyer. Vor allem aus den alten Gemeinderechnungen,
die Herr Sternberger für seine Dorfchronik nicht ausgewertet hat,
wäre noch manches herauszuholen.
Verfasser
des Berichtes: Leiter des Landauer Stadtarchivs Dr. Michael Martin
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